Micron Document
<!DOCTYPE html>
<html class="client-nojs vector-feature-language-in-header-enabled vector-feature-language-in-main-page-header-disabled vector-feature-page-tools-pinned-disabled vector-feature-toc-pinned-clientpref-0 vector-toc-not-available vector-feature-main-menu-pinned-disabled vector-feature-limited-width-clientpref-1 vector-feature-limited-width-content-enabled vector-feature-custom-font-size-clientpref-1 vector-feature-appearance-pinned-clientpref-0 skin-theme-clientpref-day vector-sticky-header-enabled" lang="de" dir="ltr"><head>
<meta charset="UTF-8">
<title>Chairephon</title>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
<link rel="icon" type="image/png" href="./_res_/favicon.png">
<link rel="canonical" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chairephon"> <link href="./_mw_/ext.cite.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.wikimediamessages.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.icons.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.search.codex.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<meta name="ResourceLoaderDynamicStyles" content="">
<link href="./_mw_/ext.gadget.citeRef.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.defaultPlainlinks.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonHide.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonLayout.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonStyle.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiDarkmode.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiResponsive.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.specialSearch.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/site.styles.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/noscript.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/footer.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/vector-2022.css">
</head>
<body class="skin--responsive skin-vector skin-vector-search-vue mediawiki ltr sitedir-ltr mw-hide-empty-elt ns-0 ns-subject page-Chairephon rootpage-Chairephon skin-vector-2022 action-view">
<div class="mw-page-container">
<div class="mw-page-container-inner">
<div class="mw-content-container">
<main id="content" class="mw-body">
<header class="mw-body-header vector-page-titlebar">
<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Chairephon</span></h1>
</header>
<a id="top"></a>
<div id="bodyContent" class="vector-body ve-init-mw-desktopArticleTarget-targetContainer" aria-labelledby="firstHeading" data-mw-ve-target-container="">
<div id="contentSub">
<div id="mw-content-subtitle"></div>
</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Chairephon</b> (auch <i>Chairephon von Sphettos</i>, <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">altgriechisch</a></span> <span lang="grc-Grek" class="Grek" style="font-style:normal">Χαιρεφῶν</span> <i>Chairephṓn</i>; * nach 470 v. Chr.; † zwischen 403 und 399 v. Chr.) war ein <a href="Antike" title="Antike">antiker</a> griechischer <a href="Philosophie_der_Antike" title="Philosophie der Antike">Philosoph</a>. Er war ein Schüler des ungefähr gleichaltrigen berühmten Philosophen <a href="Sokrates" title="Sokrates">Sokrates</a>, den er bewunderte und mit dem er eng befreundet war.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Chairephon stammte wahrscheinlich aus Sphettos, einem <a href="Demos" title="Demos">Demos</a> (Stadtteil) von <a href="Athen" title="Athen">Athen</a>.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Über seine Familie ist nur bekannt, dass er einen jüngeren Bruder namens Chairekrates hatte, der auch zum Freundeskreis des Sokrates gehörte. Chairephons Freundschaft mit Sokrates bestand seit seiner Jugendzeit,<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> doch war er zugleich auch mit dem berühmten Redner <a href="Gorgias_von_Leontinoi" title="Gorgias von Leontinoi">Gorgias</a> befreundet,<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> einem der Hauptvertreter der <a href="Sophisten" title="Sophisten">Sophistik</a>, deren Einfluss Sokrates für verhängnisvoll hielt und bekämpfte.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Schriftsteller <a href="Xenophon" title="Xenophon">Xenophon</a>, der ebenfalls ein Schüler des Sokrates war, berichtet in seinen <i>Erinnerungen an Sokrates</i> ausführlich von einem Zerwürfnis zwischen den Brüdern Chairephon und Chairekrates. Sokrates, dem die Zwietracht aufgefallen war, wollte vermitteln. Er wandte sich an Chairekrates, dem er mehr Verständigungsbereitschaft zutraute, und ermunterte ihn, die Initiative zu einer Versöhnung zu ergreifen. Die Misshelligkeit betraf unter anderem finanzielle Fragen, bei denen sich Chairekrates benachteiligt fühlte. Außerdem behauptete Chairekrates, sein älterer Bruder habe ihn durch Wort und Tat gekränkt und bereite ihm stets Ärger.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sokrates hingegen lobte Chairephon, der großmütig und großzügig sei.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Chairephon war ein Anhänger der athenischen <a href="Demokratie" title="Demokratie">Demokratie</a>, die nach der Niederlage Athens im <a href="Peloponnesischer_Krieg" title="Peloponnesischer Krieg">Peloponnesischen Krieg</a> eine schwere Krise durchmachte und zeitweilig abgeschafft wurde. Als im Jahr 404 v. Chr. der <a href="Oligarchie" title="Oligarchie">oligarchische</a> <a href="Herrschaft_der_Drei%C3%9Fig" title="Herrschaft der Dreißig">Rat der Dreißig</a> („Dreißig Tyrannen“) die Macht übernahm und die demokratische Staatsordnung beseitigte, ging Chairephon zusammen mit anderen Demokraten ins Exil. Doch schon bald stellte der demokratische Exilpolitiker und Feldherr <a href="Thrasybulos_(Feldherr_von_Athen)" title="Thrasybulos (Feldherr von Athen)">Thrasybulos</a> eine Streitmacht von Gesinnungsgenossen zusammen und nahm den Kampf gegen die Oligarchen auf. Nach militärischen Erfolgen der Aufständischen kam es im Sommer 403 zur Wiederherstellung der Demokratie. Mit den anderen Demokraten konnte nun auch Chairephon zurückkehren. Unbelegt ist die Hypothese, er sei bei Kämpfen mit den Anhängern der Oligarchie gefallen. Die Umstände seines Todes sind unbekannt. Sicher ist jedenfalls, dass er nicht mehr lange lebte, denn als im Jahr 399 der Prozess gegen Sokrates stattfand, war er bereits verstorben. Sein Bruder Chairekrates hingegen lebte noch und wurde von Sokrates als Zeuge benannt.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Unecht und als Quelle für Chairephon ohne Wert ist ein angeblicher Brief des Sokrates an Xenophon, in dem er diesen bittet, Chairephon, der für seine Heimatstadt eine Gesandtschaftsreise unternehme, gastfreundlich aufzunehmen.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Orakelspruch">Orakelspruch</h2></div>
<p>Bekannt war Chairephon in der Antike vor allem als derjenige, der in <a href="Delphi" title="Delphi">Delphi</a> das dortige berühmte <a href="Orakel_von_Delphi" title="Orakel von Delphi">Orakel</a> über Sokrates befragte. Darüber lässt Platon Sokrates selbst berichten: In der <i><a href="Apologie_(Platon)" title="Apologie (Platon)">Apologie</a></i>, der von Platon literarisch ausgestalteten Verteidigungsrede des Sokrates beim Prozess im Jahr 399, geht Sokrates auf die Orakelbefragung ein. Nach dieser Darstellung besaß Chairephon die Kühnheit, das Orakel des Gottes <a href="Apollon" title="Apollon">Apollon</a> in Delphi zu fragen, ob jemand weiser sei als Sokrates. Darauf habe die <a href="Pythia" title="Pythia">Pythia</a>, die weissagende Priesterin, geantwortet, dies sei nicht der Fall. Dieser Ausspruch sei ihm, Sokrates, mitgeteilt worden. Dadurch sei er in Verwirrung geraten, da er sich für unwissend hielt. Um die Behauptung der Pythia zu überprüfen, habe er als weise geltende Männer (Politiker und Dichter) befragt, denn er habe herausfinden wollen, was es mit deren Weisheit auf sich habe. Dabei habe sich herausgestellt, dass er diese vermeintlichen Weisen mit seinem – wenn auch sehr geringfügigen – Erkenntnisstand übertreffe. Seither habe er es als seine Berufung im Dienste des Gottes betrachtet, Unwissenden, die sich für kompetent hielten, ihre Unwissenheit aufzuzeigen.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Xenophon, der zwar ebenso wie Platon zu den Schülern des Sokrates zählte, aber beim Prozess nicht anwesend war, da er sich nicht in Athen aufhielt, gab in seinem Bericht über die Verteidigungsrede eine abweichende Darstellung. Dabei berief er sich auf Angaben des <a href="Hermogenes_(Philosoph)" title="Hermogenes (Philosoph)">Hermogenes</a>, eines Freundes und Schülers des Sokrates. Seiner Version zufolge antwortete Apollon auf die Anfrage Chairephons in Anwesenheit zahlreicher Zeugen, niemand sei unabhängiger, gerechter oder verständiger als Sokrates.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Historizität der Orakelbefragung wurde schon in der Antike bestritten. Für erfunden hielten sie mehrere Autoren, die scharfe Gegner des <a href="Platonismus" title="Platonismus">Platonismus</a> oder der Philosophie im Allgemeinen waren: der <a href="Epikureer" title="Epikureer">Epikureer</a> Kolotes von Lampsakos, gegen dessen Kritik sich <a href="Plutarch" title="Plutarch">Plutarch</a> wandte,<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> ein von <a href="Athenaios" title="Athenaios">Athenaios</a> zitierter Widersacher der Sokratiker (wahrscheinlich der Grammatiker Herodikos von Seleukia)<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und der Rhetor Apollonios Molon.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die von Athenaios überlieferte Argumentation, die wohl von Herodikos stammt, lautet, es sei nicht glaubhaft, dass der Gott eine derart törichte Frage erwartungsgemäß im Sinne des Fragestellers beantwortete.
</p><p>In der modernen Forschung ist die Glaubwürdigkeit der Erzählung ebenfalls umstritten. Manche Forscher sind der Meinung, dass Chairephons Frage in Delphi eine literarische Fiktion aus dem Schülerkreis des Sokrates ist. Sie machen unter anderem geltend, Chairephon habe zu einem Zeitpunkt, als Sokrates noch nicht berühmt war, keinen Anlass gehabt, dem Orakel eine solche Frage zu stellen.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Befürworter der Historizität meinen, Platon habe keinen Grund gehabt, eine so detaillierte Geschichte zu erfinden und Sokrates in den Mund zu legen. Hätte dann ein Gegner sie als Fiktion entlarvt, was damals leicht möglich gewesen wäre, so hätte dies die Glaubwürdigkeit der ganzen Verteidigungsrede erschüttert.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Darstellung_in_der_Komödie"><span id="Darstellung_in_der_Kom.C3.B6die"></span>Darstellung in der Komödie</h2></div>
<p>Chairephon war eine auffällige, ungewöhnliche Persönlichkeit und als solche über einen langen Zeitraum eine beliebte Zielscheibe des Spotts der Komödiendichter. Er diente als allgemein bekanntes abschreckendes Beispiel eines seltsamen, lächerlichen Philosophen. <a href="Aristophanes" title="Aristophanes">Aristophanes</a> nahm sowohl sein Äußeres als auch seinen Eifer aufs Korn. In den 423 v. Chr. aufgeführten <i><a href="Die_Wolken" title="Die Wolken">Wolken</a></i> dieses Komödiendichters wird Chairephon als „blasser, windiger Barfüßer“ und „lebendiger Leichnam“ beschrieben, wobei das ungesunde Aussehen auf seinen Studienfleiß zurückgeführt wird.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gemeinsam mit Sokrates geht er geheimen, abstrusen Fragen nach.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In den <i><a href="Die_Wespen" title="Die Wespen">Wespen</a></i>, die Aristophanes im folgenden Jahr auf die Bühne brachte, tritt Chairephon zusammen mit einer Frau auf, die blass vor Wut ist; er passt (seinem Teint nach) zu dem „gelbbleichen Weib“, das sich auf ihn als Zeugen beruft.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In Aristophanes’ 414 aufgeführten <i><a href="Die_V%C3%B6gel_(Aristophanes)" title="Die Vögel (Aristophanes)">Vögeln</a></i> entsteigt er als gespensterhafte Totenseele in Gestalt einer Fledermaus der Tiefe der Unterwelt.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch in anderen, nur fragmentarisch erhaltenen Komödien des Aristophanes wird auf ihn in unfreundlicher Weise Bezug genommen: In den <i>Jahreszeiten</i> (<i>Horai</i>) wird er „Kind der Nacht“ genannt, in <i>Die Dramen oder Niobos</i> erscheint er als Dieb und in <i>Die Telemesser</i> als <a href="Sykophant" title="Sykophant">Sykophant</a> (Verleumder).<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Komödiendichter <a href="Kratinos" title="Kratinos">Kratinos</a> und <a href="Eupolis" title="Eupolis">Eupolis</a> griffen das dankbare Sujet ebenfalls auf. Wegen der fragmentarischen Überlieferung ihrer Stücke sind die Zusammenhänge nicht erkennbar. In Kratinos’ 423 aufgeführter <i>Flasche</i> erscheint Chairephon als ungewaschen und arm.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei Eupolis kommt er in den <i>Schmeichlern</i> (<i>Kolakes</i>) vor, wo er als einer der Schmeichler des reichen Kallias erscheint, und in den <i>Städten</i> (<i>Poleis</i>), wo das beliebte Motiv seiner gelbbleichen Hautfarbe verwertet wird.<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rolle_in_literarischen_Dialogen">Rolle in literarischen Dialogen</h2></div>
<p>Platon legt in seinem <a href="Platonischer_Dialog" title="Platonischer Dialog">Dialog</a> <i><a href="Charmides" title="Charmides">Charmides</a></i> dem Berichterstatter Sokrates die Feststellung in den Mund, Chairephon sei stets <i>manikós</i> („heftig“, „temperamentvoll“ oder auch „leicht verrückt“) gewesen.<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der <i>Apologie</i> lässt er Sokrates sagen: „Und ihr wisst ja, wie Chairephon war, wie ungestüm (<i>sphodrós</i>) in allem, was er sich vornahm.“<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In den Dialogen <i>Charmides</i> und <i>Gorgias</i> gehört Chairephon zu den Gesprächspartnern. Im <i>Gorgias</i> ermuntert Sokrates Chairephon dazu, den berühmten Sophisten Gorgias vor mehreren Personen kritisch über dessen Beruf zu befragen. Daraufhin stellt Chairephon Fragen im sokratischen Stil, die aber nicht von Gorgias, sondern von dessen Schüler Polos beantwortet werden. Schließlich greift Sokrates selbst ein und führt die Auseinandersetzung mit Polos fort.<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Chairephon ist der Gesprächspartner des Sokrates im pseudoplatonischen (zu Unrecht Platon zugeschriebenen) Dialog <i><a href="Halkyon" title="Halkyon">Halkyon</a></i>, der schon in der Antike als unecht galt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Luc Brisson: <i>Chéréphon de Sphettos</i>. In: Richard Goulet (Hrsg.): <i>Dictionnaire des philosophes antiques</i>. Band 2, CNRS Éditions, Paris 1994, ISBN 2-271-05195-9, S. 304f.</li>
<li><a href="Debra_Nails" title="Debra Nails">Debra Nails</a>: <i>The People of Plato</i>. Hackett, Indianapolis 2002, ISBN 0-87220-564-9, S. 86f.</li>
<li>John S. Traill: <i>Persons of Ancient Athens</i>, Band 18: <i>Philosyria? to Ōphiliōn.</i> Athenians, Toronto 2009, ISBN 978-0-9810250-1-8, S. 247f. (Nr. 976060; Zusammenstellung der Belege)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Diese Nachricht wird in der Forschung meist als glaubwürdig betrachtet; Zweifel an der Herkunft aus Sphettos äußerten aber u. a. <a href="Kenneth_Dover" title="Kenneth Dover">Kenneth J. Dover</a> (Hrsg.): <i>Aristophanes: Clouds</i>, Oxford 1968, S. 114f. und Jeffrey Henderson (Hrsg.): <i>Aristophanes: Clouds, Wasps, Peace</i>, Cambridge (Massachusetts) 1998, S. 27 Anm. 14.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Platon, <i>Apologie</i> 20e–21a; vgl. Xenophon, <i>Memorabilia</i> 1,2,48.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Platon, <i>Gorgias</i> 447b.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Die Beziehung zu Gorgias war allerdings weit weniger eng als die zu Sokrates; siehe <a href="Joachim_Dalfen" title="Joachim Dalfen">Joachim Dalfen</a>: <i>Platon: Gorgias. Übersetzung und Kommentar</i>, Göttingen 2004, S. 165.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Xenophon, <i>Memorabilia</i> 2,3.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Xenophon, <i>Memorabilia</i> 2,3,16.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Platon, <i>Apologie</i> 21a.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Abraham J. Malherbe (Hrsg.): <i>The Cynic Epistles. A Study Edition</i>, Atlanta (Georgia) 1986 (Nachdruck der Ausgabe von 1977), S. 226f. (griechischer Text und englische Übersetzung).</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Platon, <i>Apologie</i> 20d–23c; vgl. Diogenes Laertios 2,37.</span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Xenophon, <i>Apologie</i> 14.</span>
</li>
<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Plutarch, <i>Adversus Colotem</i> 1116e–f.</span>
</li>
<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text">Athenaios 5,218e–219a.</span>
</li>
<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text">Douwe Holwerda (Hrsg.): <i>Scholia in Aristophanem</i>, Teil 1: <i>Prolegomena de comoedia, scholia in Acharnenses, Equites, Nubes</i>, Fasc. 3,1: <i>Scholia vetera in Nubes</i>, Groningen 1977, S. 41 (Scholion 144).</span>
</li>
<li id="cite_note-14"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-14">↑</a></span> <span class="reference-text">Robin Waterfield: <i>Xenophon’s Socratic Mission</i>. In: Christopher Tuplin (Hrsg.): <i>Xenophon and his World</i>, Wiesbaden 2004, S. 79–113, hier: 94f.; Mario Montuori: <i>The Oracle Given to Chaerephon on the Wisdom of Socrates. An Invention by Plato</i>, in: <i><a href="Kernos_(Zeitschrift)" title="Kernos (Zeitschrift)">Kernos</a></i> 3, 1990, S. 251–259; <a href="Olof_Gigon" title="Olof Gigon">Olof Gigon</a>: <i>Antike Erzählungen über die Berufung zur Philosophie</i>. In: <i><a href="Museum_Helveticum" title="Museum Helveticum">Museum Helveticum</a></i> 3, 1946, S. 1–21, hier: 3–8; Louis-André Dorion: <i>The Delphic Oracle on Socrates' Wisdom: A Myth?</i> In: Catherine Collobert u. a. (Hrsg.): <i>Plato and Myth</i>, Leiden 2012, S. 419–434. Vgl. <a href="Klaus_D%C3%B6ring" title="Klaus Döring">Klaus Döring</a>: <i>Sokrates, die Sokratiker und die von ihnen begründeten Traditionen</i>. In: Klaus Döring u. a.: <i>Sophistik, Sokrates, Sokratik, Mathematik, Medizin</i> (= <a href="Hellmut_Flashar" title="Hellmut Flashar">Hellmut Flashar</a> (Hrsg.): <i><a href="Grundriss_der_Geschichte_der_Philosophie" title="Grundriss der Geschichte der Philosophie">Grundriss der Geschichte der Philosophie</a>. Die Philosophie der Antike</i>, Band 2/1), Basel 1998, S. 155.</span>
</li>
<li id="cite_note-15"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-15">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="%C3%89mile_de_Strycker" title="Émile de Strycker">Émile de Strycker</a>: <i>Plato’s Apology of Socrates</i>, hrsg. Simon R. Slings, Leiden 1994, S. 74; <a href="Ernst_Heitsch" title="Ernst Heitsch">Ernst Heitsch</a>: <i>Platon: Apologie des Sokrates. Übersetzung und Kommentar</i>, Göttingen 2002, S. 73f.</span>
</li>
<li id="cite_note-16"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-16">↑</a></span> <span class="reference-text">Aristophanes, <i>Die Wolken</i> 104, 501–504.</span>
</li>
<li id="cite_note-17"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-17">↑</a></span> <span class="reference-text">Aristophanes, <i>Die Wolken</i> 140–168. Zur mutmaßlichen Darstellung Chairephons in der Urfassung des Stücks siehe <a href="Harold_Tarrant" title="Harold Tarrant">Harold Tarrant</a>: <i>Clouds I: Steps towards Reconstruction</i>. In: <i>Arctos</i> 25, 1991, S. 157–181, hier: 160–162.</span>
</li>
<li id="cite_note-18"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-18">↑</a></span> <span class="reference-text">Aristophanes, <i>Die Wespen</i> 1412f.</span>
</li>
<li id="cite_note-19"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-19">↑</a></span> <span class="reference-text">Aristophanes, <i>Die Vögel</i> 1562–1564; vgl. 1296.</span>
</li>
<li id="cite_note-20"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-20">↑</a></span> <span class="reference-text">Aristophanes, <i>Die Jahreszeiten</i> Fragment 584; <i>Die Dramen oder Niobos</i> Fragment 295; <i>Die Telemesser</i> Fragment 552.</span>
</li>
<li id="cite_note-21"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-21">↑</a></span> <span class="reference-text">Kratinos, <i>Die Flasche</i> (<i>Pytine</i>) Fragment 215.</span>
</li>
<li id="cite_note-22"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-22">↑</a></span> <span class="reference-text">Eupolis, <i>Die Schmeichler</i> Fragment 180 und <i>Die Städte</i> Fragment 253.</span>
</li>
<li id="cite_note-23"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-23">↑</a></span> <span class="reference-text">Platon, <i>Charmides</i> 153b.</span>
</li>
<li id="cite_note-24"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-24">↑</a></span> <span class="reference-text">Platon, <i>Apologie</i> 21a.</span>
</li>
<li id="cite_note-25"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-25">↑</a></span> <span class="reference-text">Platon, <i>Gorgias</i> 447c–449a.</span>
</li>
</ol>
</div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2022-10-30" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Chairephon&amp;oldid=227487033">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
</div>
</div><!--/htdig_noindex--></div>
</div>
</main>
</div>
</div>
</div>
<script src="./_webp_/webpHandler.js"></script>

</body></html>